Tag-Archiv für 'politik'

09.03.13: Rave for Riot. Soliparty in der Flora

Gegen Nazis kann man auf vielen Ebenen protestieren, nicht immer bewegt sich der Protest im engen gesetzlichen Rahmen und nicht immer bleibt das Engagement unbestraft. Meistens sind wir schlauer, als die es sind, aber manchmal endet eine Aktion vor Gericht und das kostet viel Nerven, Zeit und Geld. Wir wollen uns solidarisch zeigen und bitten euch auf’s Parkett! Begleitet von den Rotzigen Beatz, dem Electro Mob St. Pauli, Pelle Buys und vielen weiteren DJs stampfen wir dem Morgen entgegen, als würde es diesen nicht mehr geben.
Wir bringen also richtige Musik in die falschen Verhältnisse und laden zum Tanz in der Roten Flora , um 23 Uhr geht’s los!

Be careful with each other so you can be dangerous together!

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Eine bittere Erkenntnis

Wir stellen uns vor plötzlich, einfach so, verdrängen wir die Politik aus unserem Alltag. Wir entscheiden uns allesamt dafür, dass Politik im Alltag nichts verloren hat. Wir überlegen uns, dass das Zusammenleben, das Zusammenspiel unterschiedlichster Menschen doch viel unkomplizierter ist, wenn wir die Politik außen vor lassen. Ignorieren wir doch einfach, wenn andere „unpolitische“ Gruppen Menschen auf Grund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren. Wir, das sind diejenigen, die angeblich die Politik ins Stadion bringen. Und Politik hat dort nichts verloren.
Wir, das sind diejenigen, die sich gegen Diskriminierung engagieren. Wir, das sind diejenigen, die Homophobie, Rassismus, Sexismus und weitere Formen der Diskriminierung nicht dulden. Nirgendwo.
Ignorieren wir das, weil Politik hat im Stadion nichts verloren.

Politik, die sogar die Bundesrepublik Deutschland in ihrem Grundgesetz aufgenommen hat. Ignorieren wir diese Politik. Schmeißen wir sie raus.

Die Aachen Ultras, ACU, haben eine bittere Entscheidung getroffen: Sie werden keine Spiele der Alemannia Aachen mehr besuchen. Die ACU wurden in den letzten Jahren massiv bedroht, angegriffen und eingeschüchtert. Dies von niemand anderem, als einer anderen Ultragruppierung des eigenen Vereins der Karlsbande Ultras. Eine Ultragruppierung, die selbst als unpolitisch auftritt. Unpolitisch. Ein Wort, welches in meinen Augen nicht einmal über eine Daseinsberechtigung verfügt. So frage ich mich, wie das menschliche Zusammenleben unpolitisch sein soll. Wie es möglich sein soll, dass Menschen, die die unterschiedlichsten Erfahrungen im Leben gemacht haben, die vielleicht nur ein einziges Hobby im Leben teilen, unpolitisch miteinander umgehen sollen, wenn doch, und das ist die bittere Erkenntnis, nicht einmal davon ausgegangen werden kann, dass sog. „unpolitische“ Menschen und Gruppierungen den kleinsten gemeinsamen Nenner teilen: Das Aufstehen gegen jegliche Art der Diskriminierung.

Stattdessen geben sog. unpolitische Gruppierungen denjenigen einen Raum, die gerade für das Stehen: Diskriminierung. Diskriminierung in all ihren hässlichen Ausprägungen, sei es, Rassismus, Sexismus oder Homophobie. Irgendjemand erkläre mir bitte, was an solchen Gruppierungen unpolitisch ist. Was ist unpolitisch daran andere Menschen zu bedrohen? Was ist unpolitisch daran, andere Menschen anzugreifen? Was ist unpolitisch daran, anderen Menschen die Gültigkeit des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland abzusprechen?

Und nun erkläre mir bitte noch jemand, wie es sein kann, dass die Extremismustheorie noch immer in zahlreichen Köpfen verankert ist. Wie es sein kann, dass die sog. „Mitte“ schweigt oder sich gar gegen diejenigen positioniert, die die notwendige Politik thematisieren. Wie es sein kann, dass diejenigen, die gegen Diskriminierung kämpfen am Ende aufgeben. Wie es sein kann, dass Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen und den kleinsten gemeinsamen Nenner des menschlichen Zusammenlebens respektieren, unterstützen und fördern, kaum Unterstützung von außen erhalten.

Wo liebe Leute seid ihr gewesen? Wo liebe Alemannia Aaachen ward ihr? Vereinsführung? Fangruppen? Liebe DFL? Lieber DFB? Wie verdammt noch mal kann es denn sein, dass eine Fangruppierung, die sich offensiv gegen Diskriminierung äußert der schwarze Peter zugeschoben wird und stattdessen eine unpolitische rechtsoffene Gruppierung die Oberhand gewinnt? Hm? Wie kann das sein?

Wie, liebe Leute, kann es denn sein, dass Menschen, die sich gegen jegliche Art der Diskriminierung aussprechen mit Menschen, die offensichtlich versuchen andere Menschen um ihre Grundrechte zu bringen, verglichen und gar auf eine Stufe gestellt werden? Wie denn nur?

Sich nach vielen Jahren zu entscheiden nicht mehr in das eigene Wohnzimmer zu gehen ist eine bittere Entscheidung. Doch wenn die Mitbewohner*innen es nicht mehr anders zulassen vielleicht die richtige Antwort auf eine bittere Erkenntnis. Kämpft weiter, in Aachen und anderswo! Wir wünschen euch alles erdenklich Gute. Auf ein Wiedersehen bei vielen antirassistischen Events!

Und sonst so

Kurze Meldung aus der Winterschlafphase: mit Brechreizcontent und Kartenverkauf.

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Leverkusen unpolitisch

Beim Betrachten dieses Bildes ist es schon schwer möglich nicht zu lachen.
LEVNONPOLITICS

Bei diesem stellt mensch dann fest, dass der Geburtsort der Dummheit die Nordkurve in Leverkusen sein muss.
LEVNONPOLITICS2

Aber nach Intelligenz wird in Leverkusen ja eh nicht selektiert:

Strukturell gab es vor einigen Jahren eine wesentliche Änderung im Mitgliederkonzept, das nun vorsieht nicht mehr jeden in die Gruppe aufzunehmen, sondern die Leute vorher auf Mentalität und Einsatzbereitschaft zu prüfen und zu selektieren. Zudem ist eine Mitgliedschaft erst nach der Vollendung des 16. Lebensjahres und nach positiver Beurteilung eines Probejahrs möglich

- via Ufftas Leverkusen (einen Direktlink dahin sparen wir uns an dieser Stelle, das wollen wir euch nicht antun. Außerdem würden wir gern mal sehen wie mensch Mentalität prüft/misst.)

Leverkusen. So unpolitisch wie Kategorie C.

Update:
Auch afterchangeswearemoreorlessthesame hat sich diesem Thema, mit dem gebührenden Maß an Sarkasmus, angenommen.

Extremismustheoretische Aufregung

Rostock 2012. 20 Jahre nach dem Pogrom im Stadttteil Lichtenhagen.
Wir hatten uns schon über die gepflanzte Deutsche Eiche aufgeregt und unsere Freude zum Ausdruck gebracht, als diese gefällt wurde, da wir dies für unmögliches Gedenken halten.
Nun berichtet das Hamburger Abendblatt darüber, dass die am Rathaus angebrachte Gedenktafel gewaltsam entfernt wurde. Anstatt dieser wurde eine Gedenktafel angebracht, die die Inschrift „Für immer Deutschland“ trug. Das „S“ darin wurde in Runenschrift geschrieben.
Widerlich. Braucht mensch nicht drüber diskutieren.
Doch was schreibt das Hamburger Abendblatt weiter.

Damit ist auch das zweite Symbol zur Erinnerung an die fremdenfeindlichen Krawalle in Lichtenhagen entfernt worden. Die Friedenseiche vor dem Sonnenblumenhaus war nur vier Tage nach ihrer Pflanzung abgesägt worden.

Das hinter diesen beiden „Veränderungen“ komplett andere Gründe stehen wird in keinem Wort erwähnt. Die einen sprechen sich mit ihrer Aktion für ein würdiges Gedenken und einen vernünftigen Ansatz der Aufarbeitung aus, die anderen sind rassistische Nationalisten. Auf ein Stufe gestellt wird hier trotzdem.
Extremismustheorie ick hör‘ dir trapsen!

Dass die in Rostock ansässige Ostsee-Zeitung auf ihrer Startseite von „möglicherweise aus dem rechtsextremistischen Umfeld stammenden Täter[n]“ spricht, komplettiert diesen Hohn nur noch.