Tag-Archiv für 'antifa'

Eine bittere Erkenntnis

Wir stellen uns vor plötzlich, einfach so, verdrängen wir die Politik aus unserem Alltag. Wir entscheiden uns allesamt dafür, dass Politik im Alltag nichts verloren hat. Wir überlegen uns, dass das Zusammenleben, das Zusammenspiel unterschiedlichster Menschen doch viel unkomplizierter ist, wenn wir die Politik außen vor lassen. Ignorieren wir doch einfach, wenn andere „unpolitische“ Gruppen Menschen auf Grund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren. Wir, das sind diejenigen, die angeblich die Politik ins Stadion bringen. Und Politik hat dort nichts verloren.
Wir, das sind diejenigen, die sich gegen Diskriminierung engagieren. Wir, das sind diejenigen, die Homophobie, Rassismus, Sexismus und weitere Formen der Diskriminierung nicht dulden. Nirgendwo.
Ignorieren wir das, weil Politik hat im Stadion nichts verloren.

Politik, die sogar die Bundesrepublik Deutschland in ihrem Grundgesetz aufgenommen hat. Ignorieren wir diese Politik. Schmeißen wir sie raus.

Die Aachen Ultras, ACU, haben eine bittere Entscheidung getroffen: Sie werden keine Spiele der Alemannia Aachen mehr besuchen. Die ACU wurden in den letzten Jahren massiv bedroht, angegriffen und eingeschüchtert. Dies von niemand anderem, als einer anderen Ultragruppierung des eigenen Vereins der Karlsbande Ultras. Eine Ultragruppierung, die selbst als unpolitisch auftritt. Unpolitisch. Ein Wort, welches in meinen Augen nicht einmal über eine Daseinsberechtigung verfügt. So frage ich mich, wie das menschliche Zusammenleben unpolitisch sein soll. Wie es möglich sein soll, dass Menschen, die die unterschiedlichsten Erfahrungen im Leben gemacht haben, die vielleicht nur ein einziges Hobby im Leben teilen, unpolitisch miteinander umgehen sollen, wenn doch, und das ist die bittere Erkenntnis, nicht einmal davon ausgegangen werden kann, dass sog. „unpolitische“ Menschen und Gruppierungen den kleinsten gemeinsamen Nenner teilen: Das Aufstehen gegen jegliche Art der Diskriminierung.

Stattdessen geben sog. unpolitische Gruppierungen denjenigen einen Raum, die gerade für das Stehen: Diskriminierung. Diskriminierung in all ihren hässlichen Ausprägungen, sei es, Rassismus, Sexismus oder Homophobie. Irgendjemand erkläre mir bitte, was an solchen Gruppierungen unpolitisch ist. Was ist unpolitisch daran andere Menschen zu bedrohen? Was ist unpolitisch daran, andere Menschen anzugreifen? Was ist unpolitisch daran, anderen Menschen die Gültigkeit des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland abzusprechen?

Und nun erkläre mir bitte noch jemand, wie es sein kann, dass die Extremismustheorie noch immer in zahlreichen Köpfen verankert ist. Wie es sein kann, dass die sog. „Mitte“ schweigt oder sich gar gegen diejenigen positioniert, die die notwendige Politik thematisieren. Wie es sein kann, dass diejenigen, die gegen Diskriminierung kämpfen am Ende aufgeben. Wie es sein kann, dass Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen und den kleinsten gemeinsamen Nenner des menschlichen Zusammenlebens respektieren, unterstützen und fördern, kaum Unterstützung von außen erhalten.

Wo liebe Leute seid ihr gewesen? Wo liebe Alemannia Aaachen ward ihr? Vereinsführung? Fangruppen? Liebe DFL? Lieber DFB? Wie verdammt noch mal kann es denn sein, dass eine Fangruppierung, die sich offensiv gegen Diskriminierung äußert der schwarze Peter zugeschoben wird und stattdessen eine unpolitische rechtsoffene Gruppierung die Oberhand gewinnt? Hm? Wie kann das sein?

Wie, liebe Leute, kann es denn sein, dass Menschen, die sich gegen jegliche Art der Diskriminierung aussprechen mit Menschen, die offensichtlich versuchen andere Menschen um ihre Grundrechte zu bringen, verglichen und gar auf eine Stufe gestellt werden? Wie denn nur?

Sich nach vielen Jahren zu entscheiden nicht mehr in das eigene Wohnzimmer zu gehen ist eine bittere Entscheidung. Doch wenn die Mitbewohner*innen es nicht mehr anders zulassen vielleicht die richtige Antwort auf eine bittere Erkenntnis. Kämpft weiter, in Aachen und anderswo! Wir wünschen euch alles erdenklich Gute. Auf ein Wiedersehen bei vielen antirassistischen Events!

Extremismustheoretische Aufregung

Rostock 2012. 20 Jahre nach dem Pogrom im Stadttteil Lichtenhagen.
Wir hatten uns schon über die gepflanzte Deutsche Eiche aufgeregt und unsere Freude zum Ausdruck gebracht, als diese gefällt wurde, da wir dies für unmögliches Gedenken halten.
Nun berichtet das Hamburger Abendblatt darüber, dass die am Rathaus angebrachte Gedenktafel gewaltsam entfernt wurde. Anstatt dieser wurde eine Gedenktafel angebracht, die die Inschrift „Für immer Deutschland“ trug. Das „S“ darin wurde in Runenschrift geschrieben.
Widerlich. Braucht mensch nicht drüber diskutieren.
Doch was schreibt das Hamburger Abendblatt weiter.

Damit ist auch das zweite Symbol zur Erinnerung an die fremdenfeindlichen Krawalle in Lichtenhagen entfernt worden. Die Friedenseiche vor dem Sonnenblumenhaus war nur vier Tage nach ihrer Pflanzung abgesägt worden.

Das hinter diesen beiden „Veränderungen“ komplett andere Gründe stehen wird in keinem Wort erwähnt. Die einen sprechen sich mit ihrer Aktion für ein würdiges Gedenken und einen vernünftigen Ansatz der Aufarbeitung aus, die anderen sind rassistische Nationalisten. Auf ein Stufe gestellt wird hier trotzdem.
Extremismustheorie ick hör‘ dir trapsen!

Dass die in Rostock ansässige Ostsee-Zeitung auf ihrer Startseite von „möglicherweise aus dem rechtsextremistischen Umfeld stammenden Täter[n]“ spricht, komplettiert diesen Hohn nur noch.

„Fußball bleibt Fußball & Politik bleibt Pol…“ – Moment mal

Nicht häufig passt der Spruch „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte“ besser als in diesem Fall. Gestern veröffentlichte 11Freunde ein Interview mit Thilo Götz, einem Vorsänger von Eintracht Braunschweig. In diesem Interview geht es hauptsächlich um den Flyer „kurvenlage“ bzw. die „Initiative gegen rechte (Hooligan-)Strukturen“. Thilo Götz äußert in diesem Interview äußerst interessante Sichtweisen zu Nazis und rechtem Gedankengut bei Eintracht Braunschweig.

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„[…] irgendwelche Dummköpfe haben hier also Unsinn gemacht“

Deutschland 2012:

„Laut Gerücht […] wollnse den Block anstecken“

– Anwohner in Wolgast


„Bereits in der ersten Nacht gröhlt vor den Fenstern eine Gruppe junger Männer, es fliegen Bierflaschen und Steine“

-Panorama3

„Wir ham nix gegen Ausländer […] wenn andere anderer Meinung sind, dann kann ich auch nix dazu […] wir halten uns raus“

– weiterer Anwohner


„Die Flüchtlinge haben entschieden – sobald es dämmert, geht keiner mehr raus“

-Panorama3

„Alles das was bisher gelaufen ist, ist im Rahmen der Normalen“

-Gerd Hamm – Landkreis Vorpommern Greifswald


„Die Flüchtlingskinder hören die Musik des Nachbarn, und sie tanzen zu dem Lied, dessen grausamen Text sie nicht verstehen“

-Panorama3

„Sie kommen unser Land zu holen, muss denn das so sein, sie kommen unser Land zu holen, das schöne deutsche Land, was einst der Führer Adolf Hitler hier geschaffen hat.“

-Musik des Nachbarn

„Das is ne Tat eines einzelnen Verstörten, wenn ich das mal so vorsichtig sagen darf“

– Stefan Weigler, Bürgermeister von Wolgast


NEIN, dürfen sie NICHT Herr Weigler, mit Verlaub, wenn ich das so vorsichtig sagen darf, sie sind ein ARSCHLOCH!

Die Überschrift des Artikel ist übrigens auch ein Zitat des Bürgermeisters….

Seine Meinung, das Rostock Lichtenhagen sich nicht nicht wiederhole, schränkt er mit einem „hoffentlich“ ein. So sicher scheint er sich ja nicht zu sein.

Ich mir auch nicht.

Deutsche Realität 2012

Bericht des NDR bei Panorama3 über ein neues Flüchtlingsheim in Wolgast.

Nazis morden.

An dieser Stelle ein kurzer Nachtrag zu der gestern veröffentlichten Mitteilung der Antifaschistischen Aktion Lüneburg / Uelzen.

Nazis morden.

Dieser Fakt muss ein für alle mal klargestellt werden. Der Angriff auf Olaf Meyer zeigt dies mal wieder deutlich – wer bei einem Angriff eine Waffe, wie ein Messer nutzt, der nimmt den Tod des Gegners mindestens (!) in Kauf.

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