Archiv der Kategorie 'Dinge die nerven'

Wir können auch Sexismus

Dass Upsolut (Betreiber der FC St. Pauli Fanshops) viel kann, wissen wir bereits. Jetzt beweist dieser Topvermarkter, dass er natürlich auch Sexismus kann. Wieso auch nicht?! Können so viele andere Unternehmen ja auch.

Ich bin dem Fanshop wirklich unfassbar dankbar, dass es nun endlich (wieder*) ein FC St. Pauli Frauen Shirt in Pink gibt. Wie haben wir nur vorher ohne überlebt? Und wieso es das Shirt in Pink NUR für Frauen gibt? Naja, offensichtlich ist auch Upsolut klar: Frauen sind nunmal pink – Männer nicht. Natürlich.

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Dresden beschäftigt.

Viel zu oft wurde mir in den letzten Tagen diese Stadt im Osten ins Gedächtnis gerufen. Meist mit unangenehmen Meldungen.
Doch eins nach dem anderen. In dem Land, in dem selbst Gedenktage ihre deutsche Ordnung brauchen, behandeln wir Fußball und Politik gemäß bester Bürgertugend getrennt. Erst die Nazis und ihre vermeintlichen Gegner*innen und dann der Fußball.

Zuerst muss klargestellt werden:
Nazis gestoppt! Stark! Glückwunsch an alle Blockierer*innen! Ihr seid die Besten!

Doch irgendwie störte auch dieses Jahr wieder eine riesige Masse an Vollidiot*innen das positive Ergebnis der Proteste.
Das Hamburger Abendblatt bringt es auf den Punkt:

„Dresden wehrt sich mit Menschenkette gegen Neonazis – Mehr als 10.000 Menschen schützen die Innenstadt symbolisch. Rechtsextremisten wurden so an Aufmarsch gehindert.“

Glückwunsch, liebe Abendblatt Autoren, ihr suggeriert mit eurem Artikel, dass eine Menschenkette einen Naziaufmarsch stoppen könnte! Quatsch! Im Artikel werdet ihr dann noch ein wenig differenzierter, ändert aber nix daran, dass die Überschrift alle verhöhnt, die wirklich was gegen Nazis tun!

Dass die Polizei dann auch noch das wirklich würdige Gedenken an die Auflösung von „Take That“ vor der Frauenkirche störte, ist nur ein weiteres gutes Argument Dresden und Sachsen zu hassen. (Hintergrund)

Auf Twitter wurde die angeblich Naziaufmarschverhindernde Menschenkette schön zusammengefasst:

Spiegel Online schreibt dazu „Tausende bilden Menschenkette gegen rechts“, ich möchte sehr stark bezweifeln, dass es sich hier um eine Menschenkette „gegen rechts“ gehandelt hat, wenn dann „gegen rechtsradikal“ denn ansonsten hätte die CDU dort gegen sich selbst eine Menschenkette veranstaltet.
Genug dazu, es wurde in den letzten Jahren schon an vielen Stellen darauf hingewiesen, warum Menschenketten scheiße sind und es von direkten Aktionen bis Blockaden viel geeignetere Mittel gibt einen Aufmarsch von solchen Trotteln aufzuhalten.

Ein weiteres Beispiel warum das Gedenken scheiße ist, liefert dieser Herr:
DummerOpa
Genau. In der Hitlerjugend gab es keine Randale. Nur disziplinierte Vorbereitung auf den notwendigen Fronteinsatz. Halts Maul, Flakopa!
Jeder weitere Kommentar überflüssig.

Nun aber zum eigentlichen Anliegen dieses Blogeintrags,

Dynamo Dresden beim 1. FC Kaiserslautern.
Im Stadion gab es Einsatz von Pyrotechnik verschiedener Art. Nach dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen zwischen einigen Dresdnern, die K‘Lauterer Shuttlebusse angriffen, die wohl irgendwie im Weg waren, und der Polizei.
Nun gut, da ist viel Mist passiert, kann und will ich nicht wegreden.
Doch schauen wir uns mal, stellvertretend für viele Nachrichtenmagazine, die Berichterstattung von SpiegelOnline an.
Zuerst wurde nur ein rein sportlicher Bericht geliefert. Die Pyroeinlagen des Dresdner Anhangs war wohl noch keinem aufgefallen. Leider ist gerade nicht mehr herauszubekommen, welcher der nächsten zwei Artikel als erstes veröffentlicht wurde. Tut aber auch nicht wirklich was zur Sache. Erschienen sind ein Artikel der darauf Bezug nimmt, dass Dresden seine eigenen Fans für drei Spiele aussperrt sowie ein weiterer Artikel, der extrem subjektiv aus dem Dresden Fanblock sowie von den Geschehnissen außerhalb des Stadions berichtet.
Aufmacher Pyrotechnik, dann „Gewaltexzesse“, „Hooligan-Krawalle“. Verletzte durch Pyrotechnik – Fehlanzeige. War nicht anders zu erwarten. Mal wieder eine Vermengung von Dingen die nicht vermengt gehören. Klare Trennung von Inhalten würden einer fruchtbaren Diskussion zuträglich sein.

Dazu das Befindlichkeitsgeseier eines Dresdenfans. Ist solch ein subjektiver Erguss eines gefühlsduseligen 25-Jährigen eines Nachrichtenmagazins würdig? Sollte er nicht sein. Nunja, jede Gesellschaft bekommt das „Leitmedium“, das sie verdient.
Ein Nachrichtenmagazin sollte meiner Meinung nach Anspruch auf Objektivität haben, dies kann nicht geschehen, wenn mensch einen Augenzeugen der, offenbar noch geschockt vom erlebten, einen völlig aufgebauschten Artikel schreiben lässt. So etwas mit nur 3 läppischen Sätzen einzuleiten ist kein Journalismus.
Auch die Wortwahl lässt zu wünschen übrig, die Definition von „Bürgerkrieg“ müsste der Betroffene bitte noch einmal nachschlagen, denn von einem bewaffneten Konflikt kann hier ja wohl nicht die Rede sein und ein Bürgerkrieg ist erst dann ein Bürgerkrieg wenn

ein bewaffneter Konflikt auf dem Gebiet eines einzigen Staates zwischen mehreren inländischen Gruppen, häufig mit Einwirkung ausländischer Mächte

zu erkennen ist.

Ich möchte dem Berichtenden nicht absprechen, dass er geschockt ob des Erlebten ist/war, ich möchte ihm auch nicht absprechen, dass er vielleicht dachte, dass ein Bürgerkrieg eventuell so aussehen könnte. Und ich glaube dem Berichtenden, dass diese Situation in einem Bus zu sitzen und von außen attackiert zu werden, furchtbare Angst hervorrufen kann. Es würde mir vermutlich nicht anders gehen.
Ich möchte einem Nachrichtenmagazin aber den Status eines Nachrichtenmagazins absprechen, wenn es so meinungsmachende subjektive Artikel veröffentlicht ohne sie in irgendeiner Weise zu kommentieren und dabei völlig außer Acht lässt, dass Pyrotechnik und die nach dem Spiel stattfindende Gewalt eben nicht, wie es aber leider immer praktiziert wird, in eine Schublade gehören. Denn ansonsten denke ich bald an „Bengalos“ statt an „Bengalen“ wenn mal wieder über Konflikte in Südostasien berichtet wird. Verhältnismäßigkeit und so.

Gut genug aufgeregt.
Ach nein, da ist ja noch der Verein, Dynamo Dresden.
In vorauseilendem Gehorsam hat Dynamo Dresden beschlossen seinen Fans für die nächsten drei Auswärtsspiele keine Karten zu verkaufen. WAS GEHT??! Sogar die DFL hat inzwischen begriffen, dass es uncool ist Menschen auf dem Stadion auszusperren. Dynamo selbst hat Karten für ein Geisterspiel verkauft um dagegen zu protestieren. UND NUN??! …machen die die selbe Scheiße auch noch mit. Warum tut ein Verein so etwas? Pure Verzweiflung nehme ich an.
Mit einer Reaktion wie dieser unterstützt Dynamo Dresden die inzwischen sogar von einigen Mainstreammedien kritisierte DFB-Gerichtsbarkeit und fällt somit Vereinen, die gegen einen Ausschluss ihrer Fans ankämpfen in den Rücken. Sogar sich selbst.

Und was ist die Wirkung in der eigenen Fanszene?
Ich denke gar keine. Die „friedlichen“, gewünschten Fans müssen kollektiv mit vor den Stadiontoren und/oder in Dresden bleiben, die vermeintlichen „Störer“ fahren eh überall hin, egal ob sie ins Stadion kommen oder nicht. Frankfurt und Union haben es vorgemacht, vielleicht machen es Dresden und Union ja genauso. Wünschenswert wäre es, um solche Strafen ad Absurdum zu führen.
Da alle ausgesperrt werden, wird ebenso noch ein Effekt eintreten, der von den Verantwortlichen sicher nicht so geplant ist: Mindestens Einige werden sich untereinander solidarisieren und eine Ausgrenzung oder Distanzierung von den vermeintlichen „Störern“, wie von vielen Menschen gefordert, wird immer unwahrscheinlicher.

Also liebe Dynamo, Schuss in den Ofen! Eigentor! Hinsetzen, 6!

Leverkusen unpolitisch

Beim Betrachten dieses Bildes ist es schon schwer möglich nicht zu lachen.
LEVNONPOLITICS

Bei diesem stellt mensch dann fest, dass der Geburtsort der Dummheit die Nordkurve in Leverkusen sein muss.
LEVNONPOLITICS2

Aber nach Intelligenz wird in Leverkusen ja eh nicht selektiert:

Strukturell gab es vor einigen Jahren eine wesentliche Änderung im Mitgliederkonzept, das nun vorsieht nicht mehr jeden in die Gruppe aufzunehmen, sondern die Leute vorher auf Mentalität und Einsatzbereitschaft zu prüfen und zu selektieren. Zudem ist eine Mitgliedschaft erst nach der Vollendung des 16. Lebensjahres und nach positiver Beurteilung eines Probejahrs möglich

- via Ufftas Leverkusen (einen Direktlink dahin sparen wir uns an dieser Stelle, das wollen wir euch nicht antun. Außerdem würden wir gern mal sehen wie mensch Mentalität prüft/misst.)

Leverkusen. So unpolitisch wie Kategorie C.

Update:
Auch afterchangeswearemoreorlessthesame hat sich diesem Thema, mit dem gebührenden Maß an Sarkasmus, angenommen.

Auch öDDel in die Stadien!

Jede*r kann seine Vereinspräferenzen ja setzen wie sie/er mag, aber heute sind auch wir sehr solidarisch mit der SG Dynamo, bzw. ihren Fans.

Da spricht der DFB einen Ausschluss aus dem nächsten DFB Pokal aus. Und warum?

In der mündlichen Verhandlung hatte der als erster Zeuge geladene Klaus-Dieter Dunkel von der DFB-Kommission Prävention und Sicherheit die Dynamo-Anhänger schwer belastet. Sie hätten einen «äußerst aggressiven Eindruck gemacht. Man hat zum Teil hasserfüllte Gesichter gesehen», sagte Dunkel.

Spox

Is‘ ja super. „Hey, guck nicht so böse! Das macht mir Angst!“ – ist das wirklich der zum Zitieren am besten geeignete Teil der Zeugenaussage? Super. Da haben die Taliban der Fans aber mal wieder kräftig um sich gehauen, mit ihren fiesen hasserfüllten Gesichtern. ‚Tschuldigung, lach doch mal. Jedes ordentliche Gericht hätte so eine Übertreibung in einer Zeugenaussage als „Verurteilungswillen“ seitens des Zeugen abgetan.

Solche Stadionüberfälle sind Anschläge auf den Fußball im Allgemeinen, die einer konsequenten Ahndung bedürfen.

Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, in seiner Urteilsbegründung. – via Kicker

Der arme Fußball. Wirklich. Diese Fans nerven uns ja auch schon lange. Die planen ständig von langer Hand Anschläge auf den armen kleinen Fußball, den sie überhaupt nicht mögen, und dieser kann sich nicht dagegen wehren. Da ist er, der niedliche Fußball, tut niemandem etwas und dann kommen einfach Menschen daher und versauen alles.
Ist ja auch so super praktisch einfach mal so pauschal für alle Strafen auszusprechen, auch für Unbeteiligte. Und dann wiederum schon verhandelte Ausschreitungen wieder mit in den Topf zu nehmen, um die nächste Strafe noch härter ausfallen zu lassen. Der Fehler ist nämlich natürlich nicht das Verhängen von Kollektivstrafen im Allgemeinen. Also wirklich. Nein nein. Die Strafe war nur einfach noch nicht schlimm genug. Da muss man halt noch mal härter durchgreifen! Sonst fühlt sich ja keiner mehr sicher.

Die Inspiration zum Titel nahmen wir daher

Extremismustheoretische Aufregung

Rostock 2012. 20 Jahre nach dem Pogrom im Stadttteil Lichtenhagen.
Wir hatten uns schon über die gepflanzte Deutsche Eiche aufgeregt und unsere Freude zum Ausdruck gebracht, als diese gefällt wurde, da wir dies für unmögliches Gedenken halten.
Nun berichtet das Hamburger Abendblatt darüber, dass die am Rathaus angebrachte Gedenktafel gewaltsam entfernt wurde. Anstatt dieser wurde eine Gedenktafel angebracht, die die Inschrift „Für immer Deutschland“ trug. Das „S“ darin wurde in Runenschrift geschrieben.
Widerlich. Braucht mensch nicht drüber diskutieren.
Doch was schreibt das Hamburger Abendblatt weiter.

Damit ist auch das zweite Symbol zur Erinnerung an die fremdenfeindlichen Krawalle in Lichtenhagen entfernt worden. Die Friedenseiche vor dem Sonnenblumenhaus war nur vier Tage nach ihrer Pflanzung abgesägt worden.

Das hinter diesen beiden „Veränderungen“ komplett andere Gründe stehen wird in keinem Wort erwähnt. Die einen sprechen sich mit ihrer Aktion für ein würdiges Gedenken und einen vernünftigen Ansatz der Aufarbeitung aus, die anderen sind rassistische Nationalisten. Auf ein Stufe gestellt wird hier trotzdem.
Extremismustheorie ick hör‘ dir trapsen!

Dass die in Rostock ansässige Ostsee-Zeitung auf ihrer Startseite von „möglicherweise aus dem rechtsextremistischen Umfeld stammenden Täter[n]“ spricht, komplettiert diesen Hohn nur noch.