Schanzenviertelfest 2012, oder – wieviel menschliche Dummheit ist Möglich?!

Das Schanzenviertelfest. In den letzten Jahren immer einen Besuch wert. Ein Tag voller Stände, netter Musik, politischem Anspruch und mensch trifft viele nette Leute. Abends seit Jahren immer Riots im Viertel. Nicht immer sinnvoll, aber auch das eingreifen der Polizei nicht immer sinnvoll und nur eskalierend. Doch was soll man zu diesem Jahr sagen. Der Autor dieses Berichts ist erst gegen 22:30 im Schanzenviertel zugegen gewesen. Das Gedenken an die Pogrome von Rostock Lichtenhagen lag leider zeitgleich zum Schanzenviertelfest und wurde für wichtiger erachtet.

Schon am Bahnhof Sternschanze waren noch Massen an Menschen unterwegs, es war kaum ein Durchkommen in Richtung Schulterblatt. Vor der Roten Flora waren dann viele fleißige Helfer dabei die Bühne abzubauen. Also erstmal wieder ab Richtung Sankt Pauli.
Essen. Menschen treffen. Rückweg.
Innerhalb dieser Stunde hatte sich viel verändert. Neben den vielen netten Soundsystemen rund um das Schulterblatt sammelten sich viele Menschen auf der sogenannten „Piazza“ gegenüber der Roten Flora. Auf der Straße brannte das erste Feuer. Menschen wurden geschlagen und gejagt, weil sie das Feuer ausmachen wollten. Overdosis Testosteron in der Luft. Erstmal zurück in die Stammkneipe.
Dann die schlimme Nachricht erhalten, dass Menschen von aufgestachelten, aggressiven Menschen niedergestochen wurden. Weil sie Feuer vor Häusern ausmachen wollten oder einen Krankenwagen durch die Menge geleiten.
Schock.
Handeln! Aber wie? Das Maß war voll.
Dafür ist das Schanzenfest nicht da. Anwohner_innen und Rotflorist_innen haben dann versucht die Masse zu beruhigen. Megaphondurchsagen hallten über das Schulterblatt. Feuerlöscher und ein Gartenschlauch löschten das Feuer.
Doch nimmt man kleinen Kindern ihr neues Spielzeug weg, dann heulen sie kurz aggressiv auf und greifen dann zu Altbewährtem. Nun war also wieder die Haspa dran. Was auch sonst. Tradition muss ja erhalten bleiben. Kein Kommentar. Nun waren auch die Beamt_innen der Hamburger Polizei gezwungen einzugreifen, die sich bis dahin vornehm zurückgehalten hatten.
Fazit: Menschliche Dummheit at its best.
Ich habe nichts gegen Feuer auf dem Schulterblatt am Abend des Schanzenfests. Auch nichts allgemein gegen Riots. Doch wenn die Stimmung so ekelhaft wird, dass man sich nicht mehr wohl fühlt und Menschen lebensgefährlich verletzt werden, muss über Konsequenzen aus diesem Jahr nachgedacht werden.

Gute Besserung an die durch Messerstiche verletzten Genoss_innen. Mensch hörte (FB-Link), dass beide inzwischen nicht mehr auf der Intensivstation liegen.
Aufatmen.